Weltflüchtlingstag auf dem Manforter Friedhof


Archivmeldung aus dem Jahr 2015
Veröffentlicht: 20.06.2015 // Quelle: Internet Initiative

Anläßlich des Weltflüchtlingstags gedachten auf dem Manforter Friedhof am Ostdeutschen Kreuz/Friedensstein der Bund der Vertriebenen und die Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung mit kurzen Ansprachen von Rüdiger Scholz und Rudi Pawelka der Opfer von Flucht und Vertreibung. Unter den Teilnehmern war auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Nowak.

Rüdiger Scholz hielt folgende Rede:
"Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie recht herzlich hier am Ostdeutschen Kreuz und Friedensstein auf dem Manforter Friedhof.
...
Heute wird in Deutschland erstmals der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung begangen. Dieser Gedenktag wurde von der Bundesregierung im vergangenen Jahr eingeführt.
In diesem Jahr jährt sich auch das Ende des Zweiten Weltkrieges zum siebzigsten Male. Mit seinem Ende endeten auch die Schrecken, die dieser Krieg über die Menschheit gebracht hat. Millionen wurden Opfer dieses Krieges und verloren bei grausamer Verfolgung ihr Leben.
Aber nicht für alle Menschen war mit dem Ende des Krieges auch das Ende des Schreckens verbunden. In den letzten Monaten und unmittelbar nach dem Krieg wurden mehr als 12 Millionen Menschen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Dabei verloren rund 2,5 Millionen Menschen ihr Leben. Die Schrecken dieser Erlebnisse haben sich bei den Überlebenden tief ins Bewusstsein eingemeißelt.
Vor zwei Wochen hat die Landsmannschaft der Schlesier im Haus Ratibor ein Erzähl-Cafe veranstaltet, bei dem Zeitzeugen ihre Erlebnisse im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung der Jahre 1945 und 1946 geschildert haben. Das Grauen, das damit verbunden war, kann ich als jemand, der nach dem Krieg geboren wurde, nur erahnen.
Deshalb ist es umso wichtiger, dass diese Erlebnisse nicht dem Vergessen der Geschichte anheimfallen. Ich hoffe, dass die Initiative der Landsmannschaft Schlesien, die heute noch leben Zeitzeugen in die Schulen zu entsenden, damit sie dort über die Geschehnisse am Ende und unmittelbar nach dem Krieg berichten können, zahlreich angenommen wird. Ich kann nur an die Schulen appellieren, diese Möglichkeit des Geschichtsunterrichtes zu nutzen. Lange wird sie nicht mehr gegeben sein, weil die Zeitzeugen leider immer weniger werden.
Aber auch in den ehemaligen Heimatgebieten ist es wichtig, der Opfer zu gedenken. Im vergangenen Monat haben wir mit dem Bundestagsabgeordneten Helmut Nowak Oberschlesien besucht. Dabei haben wir auch an der Gedenkfeier für die Opfer des russischen NKWD-Lagers Tost teilgenommen.
In Tost wurden direkt nach dem Krieg rund 6.000 Menschen in dem dortigen Lager interniert. Über 3.000 verloren dabei ihr Leben und wurden in Massengräbern in unmittelbarer Nähe des Ortes verscharrt. Gemeinsam gedachten in diesem Jahr die Angehörigen sowie Vertreter der Gemeinde Tost den Opfern.
Aus diesem Anlass hielten auch der deutsche Bundestagsabgeordnete Helmut Nowak und der polnische Sejm-Abgeordnete Jacek Brzezinka Gedenkreden am Gedenkstein für die Opfer von Tost. Beiden Abgeordneten ist ihre Geburtsstadt gemeinsam. Helmut Nowak wurde in Beuthen geboren, Jacek Brzezinka nach dem Krieg in Bytom.
Der Vorsitzenden des Initiativekreises des NKWD-Lagers Tost, Frau Sybille Krägel, wurde an diesem Tag vom polnischen Bürgermeister die Ehrenbürgerschaft von Tost verliehen, um damit ihre jahrelange Arbeit zu würdigen, bei der sie den größten Teil der Opfer von Tost aus der Anonymität herausholen konnte, weil es ihr bei vielfältigen Recherchen gelungen ist, die Namen zu identifizieren.

Aber auch an anderen Orten versucht man die Schrecken der Zeit der Vertreibung aufzuarbeiten. So sucht man durch Hinweise der wenigen noch lebenden Zeugen nach Massengräbern aus dieser Zeit. Das ARD-Morgenmagazin hat vor wenigen Wochen von der Suche nach einem solchen Grab in Brenkenhofsbruch in Pommern, heute Blotno, berichtet. Dort wurden vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen Opfer eines Massakers russischer Soldaten. Das Massengrab wurde gefunden und die Menschen werden jetzt ein würdiges Grab auf dem Friedhof von Blotno finden.
Erinnern möchte ich an dieser Stelle auch, dass in Ungarn schon seit dem Jahr 2013 jeweils am 19. Januar der vertriebenen Ungarndeutschen gedacht wird. Die ungarische Nationalversammlung verabschiedete im Dezember 2012 diesen Gedenktag ohne Gegenstimme.
Wir wollen heute hier am Ostdeutschen Kreuz der 2,5 Millionen Opfer von Flucht und Vertreibung gedenken, ohne zu vergessen, dass die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg von Deutschland ausgegangen ist.
Wir denken heute aber auch an die Menschen, die aktuell ihre Heimat unfreiwillig verlassen müssen, um Leib und Leben zu retten und anderswo eine neue und sichere Zukunft zu finden.
Ich bitte Sie jetzt, in einem stillen Gebet gemeinsam aller Opfer von Flucht und Vertreibungen zu gedenken und lade Sie zum Tag der Heimat am 6. September um 11 Uhr hier am Ostdeutschen Kreuz ein."


Anschriften aus dem Artikel: Alte Landstr 129, Albert-Einstein-Str 58

Kategorie: Politik
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