Stadtplan Leverkusen
28.03.2017 (Quelle: TSV Bayer 04)
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Jennifer Montags Sprint an die nationale Spitze


In der vergangenen Hallensaison war es Sprinterin Jennifer Montag, die für eine der großen Überraschungen sorgte. Bei den nationalen Titelkämpfen der Jugendlichen stürmte sie zur Silbermedaille über 60 Meter und sicherte sich ihren ersten internationalen Einsatz beim U20-Hallenländerkampf.
Sie ist erst zarte 19 Jahre alt. Dennoch musste Jennifer Montag lange auf Medaillen warten und die Erfahrung machen, dass Erfolgskurven im Leistungssport nicht immer nur stetig nach oben zeigen. Fast vier Jahre laborierte die Auszubildende zur Bürokauffrau immer wieder an Verletzungen und Krankheiten, die sogar zahlreiche Operationen unumgänglich machten. Die Odyssee begann mit entzündeten Kreuzbändern. Es folgte eine Knochenabsplitterung im Fußballen – Operation Nummer eins! In den anschließenden zwei Jahren verbrachte Jennifer Montag deutlich mehr Zeit bei Ärzten, als auf dem Sportplatz. Ständige Bauchkrämpfe und Flüssigkeitsansammlungen im Bauch stellten selbst die Spezialisten vor eine Herausforderung. Eine Bauchspiegelung, bei der auch der Blinddarm entfernt wurde, lieferte weder eine Linderung der Schmerzen, noch eine Diagnose. Nach ersten Anzeichen von Nierenversagen wurde dann endlich das Problem gefunden: Eine angeborene Engstelle am Übergang von der Niere zum Harnleiter! Zwei große und kräfteraubende Operationen brachten endlich Erleichterung.
Vor drei Jahren wechselte Jennifer Montag in die Trainingsgruppe von Hans-Jörg Thomaskamp, in der auch ihr Freund und Hochspringer Mateusz Przybylko trainiert. Auch ihre Eltern – die Mama Sprinterin, der Papa ebenfalls Sprinter und Weitspringer – haben schon unter dem Erfolgscoach trainiert.
Vor der Hallensaison 2017 hatte die ehemalige Athletin vom LAV Bayer Uerdingen/ Dormagen kaum Erwartungen an sich selbst. „Ich konnte eigentlich noch nie lange Zeit ohne Verletzungen trainieren. Ich wusste noch nicht einmal, welche Zeiten über 60 Meter gut sind – komischerweise. Meine Bestleistung stand vorher bei 7,69 Sekunden. Mein einziges Ziel war es, diese Zeit zu unterbieten“, sagt Jennifer Montag. Und das tat sie mehr als eindrucksvoll. Seit Ende Februar steht ihr Hausrekord bei 7,46 Sekunden. Gedanken über eine mögliche 100-Meter-Zeit mit dieser Vorleistung möchte sie sich nicht machen. „Ich habe aus der Vergangenheit gelernt, mich nicht zu fest an etwas zu beißen. Ich bin dann zu verkrampft und enttäusche mich nur selber“. Trainer Hans-Jörg Thomaskamp bestätigt seinem Schützling sehr gute fliegende Zeiten, am Start hingegeben gibt es noch Verbesserungspotential. Gerade unter diesem Aspekt dürfte ihre Bestzeit über 100 Meter (11,82 Sekunden) aus dem Vorjahr nicht mehr lange Bestand haben.
Mit dem Ziel der U20-EM in Grosseto (Italien) im Hinterkopf schuftet sie derzeit im südafrikanischen Stellenbosch. Das wäre dann ihr zweiter internationaler Einsatz. Ihr Debüt feierte die 19-Jährige Ende Februar beim U20-Hallenländerkampf in Halle. „Als ich nach den Deutschen Meisterschaften für den Hallenländerkampf nominiert wurde, war ich unglaublich happy. Dass man das Nationaltrikot tragen darf und neben den eigenen Teammitgliedern auch von anderen Ländern angefeuert wird, fand ich schon ziemlich schön“, erinnert sich Jennifer Montag.
Dass Konkurrenz das Geschäft belebt, zeigt die Situation zwischen Keshia Kwadwo (TV Wattenscheid 01) und vielen anderen nationalen Top-Nachwuchssprinterinnnen. Die Ausnahmeathletin läuft in einer anderen Liga und ist derzeit unschlagbar. Jennifer Montag sieht das gelassen: „Keshia läuft vorneweg. Das kann man nicht ändern. Am Anfang hatte ich immer ein bisschen Angst, an der Startlinie neben ihr und den anderen großen Sprinterinnen zu stehen. Inzwischen kann ich damit ganz gut umgehen. Sie zieht mich und ich habe immer wieder die Chance, ein bisschen näher an sie ranzukommen.“
Unbedingt im Vordergrund stehen muss Jennifer Montag nicht, auch viel Aufmerksamkeit ist ihr eher unangenehm. Vielmehr wünscht sie sich – gerade mit Blick auf ihre sportliche Vergangenheit -, dass Sportler nicht ausschließlich über die Leistung auf dem Papier definiert werden. „Die Umstände und der Weg zum Erfolg sind, wie ich finde, oftmals sehr viel beeindruckender als die Leistung an sich.“
Man darf gespannt sein, bei welchen Zeiten die Uhren über 100 Meter und 200 Meter im Sommer stoppen werden. Dass bei Jennifer Montag ein herausragendes und hoffnungsvolles Talent vorhanden ist, dürfte spätestens seit der Hallensaison 2017 jedem Sprint-Fan klar sein.
Bayer Leichtathletik


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Letzte Änderung am 28.03.2017 20:29 von leverkusen.
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