Stadtplan Leverkusen
16.05.2008 (Quelle: Bayer 04)
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"Im Team Entscheidungen treffen"


In der aktuellen Ausgabe des BayArena Magazins lässt Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser die nun zu Ende gehende Saison noch einmal Revue passieren, blickt aber auch schon auf die kommende Spielzeit voraus.

Zwei Drittel der Serie waren gespielt, da attestierten die Medien Bayer 04 den „schönsten Fußball der Liga“. Und dann kam am 25. Spieltag die Begegnung mit den Bayern in München, bei der deutlich wurde, dass zum Spitzenteam hier und da doch noch einiges fehlte. Es hatte den Anschein, dass die junge Mannschaft diese Realität trotz der zumindest auf der Papierform nur knappen 1:2-Niederlage mental nicht so recht verkraftet hat.

Davor aber lagen glanzvolle Siege – zum Beispiel im UEFA-Pokal: 5:0 in Zürich, 5:1 gegen Galatasaray Istanbul und dann den HSV ausgeschaltet. Und in der Liga gab es auch noch das 1:0 gegen Schalke, prächtige Erfolge gegen Nürnberg, Hannover und zuletzt sogar ein 3:0 gegen den noch amtierenden Meister Stuttgart. Zwischendurch sogar Tabellenzweiter und auf Champions-League-Plätzen. Für die Boulevard-Medien war Bayer 04 sogar „Bayernjäger“.

Dann wurden die Kommentare bissig. „Vom schönsten Fußball der Liga“ zum „erfolglosesten Fußball der Liga“ hieß es da. In der Rückrunde drohen plötzlich alle Erfolge verspielt zu sein, alle Ziele unerreichbar zu werden. Scheitert Bayer 04 an den Folgen des notwendigen Umbruchs? Es gibt viele Fragen, vor allem an Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung, mit dessen Namen der Wandel bei Bayer 04 engstens verbunden ist.

Wolfgang Holzhäuser, vor dem Heimspiel gegen Nürnberg – das damals mit 4:1 gewonnen wurde – sagten Sie im Interview „Die Saat ist aufgegangen“ und meinten damit das Experiment der radikalen Verjüngung der Mannschaft und das Hauptaugenmerk auf von Ihnen so genannte „Perspektiv-Spieler“. Stehen Sie heute noch zu dieser Aussage?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Ja! Eindeutig ja! Auch wenn wir jetzt am Ende der Saison Gefahr laufen, das gesteckte Ziel UEFA-Pokal-Teilnahme womöglich nicht zu erreichen.
Natürlich wussten wir alle – Geschäftsführung, sportliche Leitung, Trainer und Mannschaft – um das Risiko. Aber die jetzige Situation ändert doch nichts daran, dass die Mannschaft monatelang begeisternden Fußball gespielt hat. Jetzt sind einige junge Spieler platt und auch ältere haben den vielen Spielen Tribut zollen müssen. Dazu kam Verletzungspech – wenn wir nur an die Ausfälle von Bernd Schneider, Arturo Vidal, Pirmin Schwegler, Carsten Ramelow, Karim Haggui oder zuletzt Lukas Sinkiewicz denken.
Auch die sehr kurzen Regenerations-Pausen zwischen den UEFA-Pokal- und den Bundesliga-Spielen haben zu besonderer Belastung geführt. Belastungen, die gerade für die Leistungsträger der Mannschaft, die permanent spielen mussten, erheblich waren, obwohl in dem einen oder anderen Fall eine Pause ganz gut gewesen wäre. Aber hier zeigt es sich eben deutlich, dass diese Saison personell gesehen ein Gang auf einem schmalen Grat war. Ein relativ kleiner Kader und viele Spiele – dieses Konzept klappt eben nur dann, wenn man von vielen Verletzungen und anderen Ausfällen verschont bleibt.

Entschuldigungen, die von den Fans so aber nicht akzeptiert werden, wie die letzten Unmutsbezeugungen gezeigt haben?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Nein, keine Entschuldigungen, Erklärungen. Hier zitiere ich gerne unseren Trainer Michael Skibbe, der vor dem Spiel in Rostock im Fernseh-Interview sagte: „Ich verstehe die Fans. Wir haben sehr guten Fußball gespielt – und jetzt erfolglosen. Da ist der Unmut – der sich in der Regel sowieso gegen den Trainer richtet – verständlich.“ Und da wir sowieso grundsätzlich im Team arbeiten, zitiere ich gleich auch noch unseren Sportchef Rudi Völler: „Der Fluch der guten Tat“ nannte er die momentane Situation und meint damit, dass die vielen guten und begeisternden Spiele die Erwartungen sehr hoch getrieben haben. Vielleicht hat die Mannschaft ja auch teilweise über ihre Verhältnisse gespielt.

Wieder nur Entschuldigungen?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Nein. Keine Entschuldigungen – sachliche Analyse. Spieler, Trainer und alle Verantwortlichen haben gute Arbeit geleistet. Und es kann jetzt auf einmal nicht alles schlecht gewesen sein, was vorher so toll war.

Trotzdem – Sie sind mit dem Ziel angetreten, einen UEFA-Pokal-Platz zu erreichen und die Punktezahl zur Spitze gegenüber der letzten Saison zu verringern. Beide Ziele drohen nicht erreicht zu werden. Die Trainerfrage wird öffentlich heftig diskutiert. Konsequenzen für Michael Skibbe?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Zunächst einmal zur Erreichung der Ziele: Wir haben im Augenblick noch alle Chancen, den UEFA-Pokal zu erreichen. Und der Punkte-Abstand zur Spitze – also zu den Bayern, den Bremern und Schalkern hat sich in der Tat leider kaum verändert. Aber wir befinden uns auch am Ende dieser aufreibenden Saison immer noch in der Spitzengruppe – punktgleich mit dem HSV, der sehr hoch eingeschätzt wurde, mit dem VfB Stuttgart, der immerhin amtierender Meister ist, und mit dem VfL Wolfsburg, der nach den Bayern das mit Abstand meiste Geld für Verstärkungen ausgegeben hat. Von daher ist die Bilanz nicht so schlecht wie sie dargestellt wird.

Also keine Konsequenzen?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Natürlich wird es eine klare Analyse geben, denn wir sind ja nicht zufrieden. Also müssen wir Überlegungen anstellen, wie wir Schwachpunkte in unserem Konzept der Mischung aus Perspektiv-Spielern und einigen erfahrenen Führungsspielern ausmerzen können. Es gibt sicherlich Positionen, auf denen wir uns auch qualitativ verbessern müssen, falls wir weiter vorankommen wollen, aber immer mit Vernunft und Augenmaß.
Und wenn ich wir sage, dann meine ich damit die Geschäftsführung ebenso wie die sportliche Leitung mit Rudi Völler, Michael Reschke und Michael Skibbe. Rudi Völler und ich haben immer gesagt, dass wir uns gemeinsam nach Abschluss der Saison zusammen setzen. Dabei werden wir das, was wir erreichen wollten, an dem messen, was wir erreicht haben.
Wir haben uns ja auch etwas dabei gedacht, als wir Michael Skibbe verpflichtet haben. Er ist ein sehr guter Trainer, der vor allem mit jungen Leuten hervorragend arbeitet. Es gibt gerade junge Spieler, die sind nicht zuletzt auch seinetwegen zu uns gekommen, andere haben unter anderem wegen ihm ihre Verträge bei uns vorzeitig verlängert.
Letzthin hat noch ein sehr renommierter Sportjournalist in einer Diskussion die Frage gestellt, ob die Leverkusener vor dem Hintergrund der exzellenten Kenntnisse von Michael Skibbe in der Nachwuchs-Szene und in der Arbeit mit jungen Spielern überhaupt wüssten, was sie an ihm hätten. Ich kann nur sagen: Wir wissen es!

Das heißt Michael Skibbe bleibt?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Das heißt, dass wir am Ende der Saison – unabhängig davon, welcher Tabellenplatz erreicht wurde – akribisch und kritisch gemeinsam analysieren und notwendige Schlüsse ziehen werden.
In erster Linie heißt dies, dass wir vor dem Hintergrund des jetzigen Abschneidens die Frage zu klären haben, was wollen und was können wir für die Zukunft erreichen. Aber ich sage es gerne noch einmal: Michael Skibbe hat bisher hervorragende Arbeit geleistet, wie die meisten Ergebnisse zeigen, und unter ihm haben viele unserer jungen Spieler eine sehr gute Entwicklung gemacht. Im Übrigen haben wir die Trainer-Diskussion nicht angeheizt. Weder Rudi Völler noch ich haben uns an der Diskussion beteiligt oder gar Namen genannt. Diese Diskussion ist in den Medien völlig ohne unser Dazutun geführt worden.
Wir – und dazu gehört auch der Trainer – werden also klären, was wir wollen, was wir können und wie wir die Ziele erreichen können. Danach werden Entscheidungen getroffen. Also: Zuerst das Ziel, dann der Weg!

Was wollen Sie denn erreichen?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Die Ziele sind eindeutig. Nach wie vor ist der internationale Wettbewerb unser Ziel. Und nach wie vor wollen wir zur Spitzengruppe der Bundesliga gehören und den Abstand nach vorne verringern. Wobei die Zahl der Vereine, die den Anspruch haben, international spielen zu wollen, immer größer wird. Die jetzige Situation zeigt dies schon deutlich.
Wir werden aber auch nicht von unserem Konzept abweichen, hauptsächlich mit Spielern zu arbeiten, die eine hervorragende Perspektive haben. Fertige Stars werden die Ausnahme bleiben. Die können wir uns derzeit einfach nicht leisten. Das heißt aber auch, dass wir wieder so genannte Führungsspieler verpflichten werden, die den jungen Spielern durch ihre Erfahrung die notwendige Sicherheit geben. Die meiste Hoffnung setzen wir dabei natürlich immer noch auf Bernd Schneider.

Also neue Spieler für die kommende Saison?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Wir haben gesehen, dass der Profikader zahlenmäßig nicht besonders üppig ist und wir hier und da auch schon unsere Amateure ins Profi-Rennen schicken mussten. Außerdem gilt es, die Qualität bestimmter Mannschaftsteile anzuheben – vor allem im Defensivbereich. Und das tun wir. Da schauen wir uns bestimmte Spieler ganz genau an.
Aber in Patrick Helmes haben wir ja bereits einen wichtigen Spieler verpflichtet, der sehr gut zu uns passt. Wir sprechen zur Zeit auch mit dem SC Freiburg über einen Wechsel von Daniel Schwaab, ebenso ein U 21-Nationalspieler und hoffnungsvolles Talent wie auch Fabian Schönheim vom 1. FC Kaiserslautern. Und es scheint auch, als ob die brasilianerlose Zeit bei uns vorbei ist und wir wieder einen Spieler von dort haben werden. Aber bekanntlich beobachten wir natürlich den südamerikanischen ebenso wie den europäischen Markt. Wobei wir uns natürlich um deutsche Perspektiv-Spieler ganz besonders bemühen.

Das Abschneiden der Mannschaft ist nicht die einzige Baustelle, die Bayer 04 zurzeit hat. Laufen Ihnen – wie in den Medien zu lesen ist – die Kosten bei der BayArena-Optimierung weiter davon?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Es ist nichts Neues, dass die Optimierung der BayArena erheblich mehr kostet als zunächst angenommen. Dabei spielten viele Faktoren eine Rolle. Sicher aber ist, dass wir jetzt mit Köster/Bögl einen Festpreis von 70 Millionen Euro vereinbart haben. Und dabei bleibt es auch.

Einige Bayer 04-Einrichtungen wie Service, Fan-Shop, Kartenverkauf oder Reisebüro sollen in die Leverkusener City umziehen. Außerdem soll Henry Maskes McDonald‘s „verschwinden“ und das Lindner Hotel für einige Zeit geschlossen werden. Gibt es doch mehr Auswirkungen aufgrund des Umbaus als geplant?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Es wird wieder einmal viel gemutmaßt und geredet. Tatsache ist, dass wir einige Einrichtungen von Bayer 04 – also Service, Fan-Shop, Kartenverkauf und Reisebüro – räumlich zusammengefasst haben und nun zumindest vorübergehend in die Leverkusener City umziehen. Zum einen ist es unseren Kunden während der Bauarbeiten an Werktagen schlecht zuzumuten, diese kundenintensiven Bereiche zu besuchen. Zum anderen werden wir aber auch den Umbau dazu nutzen, das eine oder andere auf den betriebswirtschaftlichen Prüfstand zu stellen. Das heißt, dass wir die Frage klären müssen, ob diese Einrichtungen nicht sinnvoller außerhalb der BayArena untergebracht werden können. Wobei die City womöglich noch kundennäher ist. Und wir werden den Umbau auch dazu nutzen, bereits lang geplante Maßnahmen jetzt umzusetzen.

Und was ist mit dem Lindner Hotel sowie dem McDonald‘s-Restaurant?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt für unsere „Mitbewohner“ im Stadion – also Lindner und McDonald‘s – keinen Grund zur Schließung. Allerdings wird es teilweise erhebliche Behinderungen durch den Umbau geben. Ob überhaupt und wie lange es eventuell zu vorübergehenden Schließungen kommt, liegt allein in deren Ermessen.

Wenn vom Umbau die Rede ist, fällt gleich das Stichwort LTU arena Düsseldorf. Es gibt Befürchtungen, dass der Heimvorteil verloren geht.
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Die Befürchtung habe ich zunächst einmal nicht. Denn unsere Fans werden auch die LTU arena mit BayArena-Flair füllen. Diese Hoffnung habe ich zumindest. Deshalb auch an dieser Stelle die Bitte an unsere Fans, die Mannschaft auch im Düsseldorfer „Exil“ in der Rückrunde der Saison 2008/2009 positiv zu unterstützen. Außerdem sehe ich die Chance, durch unsere Gastspielzeit in Düsseldorf neue Fans für uns gewinnen zu können.
Dafür hat unser Kommunikations-Chef Meinolf Sprink mit seinem Team ein erfolgversprechendes Konzept erarbeitet, das auch die Zustimmung der Stadt Düsseldorf hat, die uns bei unserem Vorhaben unterstützen will.

In der neuen Saison ist die rheinische Konkurrenz wieder größer geworden. Der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach sind wieder mit von der Bundesligapartie. Fürchten Sie die Konkurrenz oder befürchten Sie eventuell gewaltsame Auseinandersetzungen?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Zunächst einmal gratuliere ich dem FC, aber auch Borussia Mönchengladbach an dieser Stelle herzlich zum Wiederaufstieg. Sicher sind die Partien zwischen dem FC und uns immer von besonderer Emotion begleitet – leider haben Vorkommnisse bei den Amateurspielen dies unangenehm bestätigt. Deshalb appelliere ich an die Besonnenheit aller Fans. Aber die Gewalt-Diskussion der letzten Monate ist mir viel zu stark auf den Fußball gerichtet, der – zugegeben – besonders von Emotionen geprägt ist. Und Emotion ist bekanntlich der eigentliche Nährboden für Gewalt. Allerdings die negative Emotion! Sie ist die Vorstufe zur Aggressivität, die letztendlich in Gewalt endet. Und Fußball setzt pure Emotion frei. In der Regel positive! Nicht erst das so genannte Sommermärchen 2006 hat dies deutlich gemacht.
Es wird aber eben auch negative Emotion frei gesetzt. Ein typisches Beispiel dafür sind die „Raus“-Rufe, gegen wen auch immer sie gerichtet sind. Sie sind in der Regel unbegründet. Es sind Unmutsbezeugungen, die Aggressivität zeigen. Sie führen nicht selten zu Gewalt-Szenen, beispielsweise an Abgrenzungen zu Spielerbereichen oder am Mannschaftsbus.
Auf solche Emotionen kann und muss der Fußball verzichten. Vor allem auch deshalb, weil diese negativen Auswirkungen immer den falschen treffen...

Fan-Schelte?
WOLFGANG HOLZHÄUSER: Nein. Ganz und gar nicht! Im Gegenteil: Gerade unseren Fans möchte ich an dieser Stelle nochmal ganz besonders für ihre meist sehr positive Unterstützung für die Mannschaft danken. Ich hoffe dies auch für Düsseldorf. Und ich hoffe dies vor allem für den Fall, dass wir ohne internationale Vorstellungen in Düsseldorf gleich ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen werden. Denn bekanntlich wollen wir – wenn wir denn international dabei sein werden – diese Spiele zum Warmwerden mit der LTU arena nutzen.


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Letzte Änderung am 15.12.2015 21:41 von leverkusen.
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